1. Tag - (Mai
2006) - Mit dem Zug ging es direkt ins Zentrum von
Eisenach. Die Wartburg war schon zu sehen, aber scheinbar
hatte ich einen Wegweiser übersehen und bin auf dem
Nachbarberg gelandet. Dafür gab es von dort einen schönen
Ausblick auf die Burg. Dann,auf dem richtigen Weg durch den
Wald hinauf zur Burg. Am Haupttor wurde ich von vielen
Touristen "begrüßt" - aber das sollten die letzten
Menschenmassen für die nächsten Tage sein. Nach vielen
Jahren endlich wieder eine Burgbesichtigung mit Weitblick
über den Rennsteig / Thüringer Wald.
Ab nach Süden - zur "Wilden Sau", weiter Richtung Westen
nach Hörschel - zum Beginn des Rennsteiges, welchen ich von
Ost nach West bewanderen wollte. Kurz vor dem Ziel gab es
die ersten Regenschauer und in Hörschel schüttete es wie
aus Kannen. Dafür war das Zimmer in der Pension "Tor zum
Rennsteig" trocken und das Abendbrot (es gab
"Rennsteigschmaus") reichhaltig. In der örtlichen der
Rennsteig-Information wurde noch das Rennsteig-Wanderheft
geholt um den Weg zu dokumentieren und bei Erfolg das
Wanderabzeichen zu bekommen. In der Gaststätte traf ich
dann noch einen Radfahrer, der da hin wollte, woher ich kam
- nach Pirna. Zuerst über den Rennsteig und den weiteren
Weg wusste er auch noch nicht. Zufälle gibts...
2. Tag - In
Hörschel, am Anfang des Rennsteigs (oder eben am Ende), am
Zusammenfluss von Werra und Saale gelegen, sollte es heute
losgehen. Aber vorher noch einen Stein eingepackt um der
alten Tradition zu folgen: "Wanderer halt' ein. Trag nach
alter Sitte einen Stein zur Saale, bitte!". Vor mir lagen
168km, aber da sich einige Unterkünfte abseits des
Rennsteigs befanden, wurden es mehr. Das Wetter sah nicht
wirklich toll aus, dennoch ging es los, durch grüne Wälder
und zwischen gelben Rapsfeldern hindurch. Die Strecke zur
"Wilden Sau" war ja schon vom Vortag bekannt und es ging
ziemlich gut voran. Die erste Übernachtung war in
Brotterode geplant, vor dem Grossen Inselsberg stellte sich
daher die Frage - direkt in die Pension oder doch noch hoch
hinauf auf den Gipfel? Da das Zimmer reserviert war lief
ich weiter bergan und mit jeder neuen Kuppe stieg die
Hoffnung, das das nach der nächsten der Gipfel erreicht
ist.. , aber neben dem Oberen Beerberg gab es einige
weitere. Endlich oben angekommen wieder ein phantastischer
Ausglick. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen in der
Gipfelgaststätte, gab es noch einen Stempel ins Wanderheft
und es ging wieder hinab, nach Brotterode. Vom Gipfel aus
kann man an der Strasse folgen oder den etwas steileren,
steinigen Weg nehmen. Über diesen gelangt man auch zur
Strasse. Ein Stück weiter verlässt man diese wieder und
wandert entlang der Sommerrodelbahn durch den Wald in die
Stadt. In Broterode war recht wenig los, wenigstens fand
sich noch ein Geschäft um Getränke für den nächsten Tag
einzukaufen. (33 km)
3. Tag - Der
härteste Teil der Strecke, denn der Weg war recht
bescheiden, für Radfahrer sind die harten
Steinmehl-/Asphaltwege sicher super, aber für Wanderer mit
15-20kg Gepäck auf dem Rücken kein Spass, die kurzen
Abschnitte weicher Waldboden dagegen der reine Genuss. Von
Brotterode bergan nach Norden. Nach ca. 4 km war ich wieder
auf dem Rennsteig und konnte die Tour fortsetzen. Das
Wetter war besser als in den letzten Tagen, es gab nur noch
vereinzelt kleine Regenschauer. Kurz vor Oberhof, am
"Eisernen Adler" steht man plötzlich auf einem riesigen
Parkplatz, welcher zum Skisportzentrum gehört. Eine
beeindruckende Anlage, nur fehlte der Schnee. Quer durch
Oberhof ging es zum Panorama-Hotel. Ankunft nach 9 Stunden
Wanderung bei 12 Grad Celsius. Nicht das billigste Hotel am
Ort, aber ich wollte da schon immer mal übernachten. Und
der Ausblick über den Thüringer Wald war es wert, zumal es
einen herrlichen Sonnenuntergang gab, inklusive Blick auf
den grossen Inselsberg (rechts im zweiten Foto noch zu
erkennen). Den Hotel-Pool konnte man als Gast kostenlos
nutzen, was ich ausgiebig tat. Eine wahre Wohltat mal ein
paar andere Muskeln zu bewegen. (29 km)
4. Tag - Heute
sollte der kälteste und feuchteste Tag der Tour werden.
Morgens ging es in Oberhof bei Dauerregen und 6 Grad los.
Die Sachen waren zwar wasserdicht, aber Spass macht das
Wandern da nicht so richtig. Der Besuch im botanischen
Garten fiel daher sprichtwörtlich ins Wassser. Die vielen
anderen Ausflügler waren von diesem Männertags-Wetter auch
nicht begeistert. Bei Sichtweiten von teilweise weniger als
10 Metern wäre ich fast am höchsten Punkt der Tour, dem
"Großen Beerberg" vorbeigelaufen. Bei strömendem Regen ging
es weiter durch den Wald, vorbei an der Schmücke wieder
hinab. Wieder so eine Etappe, wo die Entferungsangaben auf
den Schildern nicht zu stimmen scheinen und man irgendwann
daran glaubt, das man nicht mehr ankommt. Neustadt hatte
ich mir anders vorgestellt, irgendwie mit Bergen eben. Es
liegt allerdings ziemlich eben in der Gegend, dafür mit
viel Wind. Mit dem Sporthotel in Heuberg (bei Masserberg)
ein weiteres klasse Hotel mit eigenem Schwimmbad, Sauna und
vielen Sporteinrichtungen, aber nach Sport stand mit der
Sinn gerade nicht .... (27 km)
5. Tag - Nach
einem guten Frühstück und ca. 1 Stunde wandern war ich
wieder auf dem Rennsteig und konnte die Tour fortsetzen.
Etwas östlich von Masserberg gibt es einen Aussichtsturm,
vermutlich mit guter Aus- und Weitsicht - wenn das Wetter
mitspielt. ... der Wald wird weniger und die blühenden
Rapsfelder mehr. Und immer wieder Regen. In Neuhaus am
Rennweg angekommen und eine heisse Dusche später war ich
schon dabei mich nach einem Zug in Richtung Heimat zu
erkundigen - mein Elan war unterwegs verloren gegangen. Da
ich aber den Bahnhof nicht finden konnte und der Zug einen
Umweg westlich um den Thüringer Wald herum genommen hätte,
verschob ich die Entscheidung auf den nächsten Tag. Die
Unterkunft des Tages war die "Alte Porzeline", eine
ehemalige Keramik-Manufaktur, in der sich jetzt eine
gemütliche Gaststätte befindet mit angeschlossenem
Bettenhaus. Scheinbar ein guter Treffpunkt für
Rennsteigwanderer und Radfahrer. Und man lernt ja immer was
dazu, zum Beispiel: "Schmerz ist Schwäche die den Körper
verlässt." ;-) (19 km)
6. Tag - Am
Morgen von der Sonne geweckt, entschloss ich mich die
Wanderung bis zum Ende fortzusetzen. Zwar wurde ich kurz
nach dem Ortsausgang vom ersten Schauer des Tages
überrascht, aber da ich schon unterwegs war.... Irgendwie
hatte ich mich bei der Steckenplanung vertan und ich wäre
schon vor Mittag am geplanten Tagesziel angekommen. Also
diese Übernachtung abgesagt und darauf gehofft unterwegs
was zu finden. Nach mehreren Grenzwechseln zwischen
Thüringen und Bayern wollte ich in Brennersgrün
übernachten. Leider war das Hotel komplett ausverkauft.
Aber die nette Chefin konnte mir eine Privat-Unterkunft bei
einem älteren Ehepaar vermitteln. Bei den netten Leuten
angekommen, war dies wohl die bequemste Übernachtung - zwei
riesige Zimmer inklusive eines sehr bequemen Bettes. (31
km)
7. Tag - Der
letzte Tag sollte eigentlich eine leichte Etappe werden, da
ich am Vortag einige Kilometer weiter gekommen war als
geplant. Und bis zur Abfahrt des Zuges noch sieben Stunden
Zeit waren. Aber man täuscht sich ja öfters mal - wieder
asphaltierte Wege, teilweise direkt neben der Strasse. In
Blankenstein selber "freuen" sich die Kniescheiben wenn es
stark bergab zur Selbitz (mündet einige Meter weiter in die
Saale) geht um den Stein vom anderen Ende des Weges
abzuliefern. Den letzen Stempel im Wanderheft bekam ich
direkt vom Bahnhofsvorsteher. Die Tour war also geschafft
und ich glücklich, das ich die nächsten Stunden in einem
bequemen Zug sitzen würde. (30 km)
Ende gut, alles gut. Am Ende
überwiegt dann aber die Freude, das man es allen
Wiedrigkeiten zum Trotz doch noch geschafft hat. In der
Form würde ich die Tour allerdings nicht noch einmal
bewandern - entweder mit Gepäcktransport oder mit kleineren
Etappen. Ebenso würde ich die Unterkünfte näher am
Rennsteig buchen. Davon gibt es genug, nur findet man sie
nicht im Internet um vorher zu reservieren.

